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Parodontosetherapie

Die Behandlung von Zahnbettentzündungen

Was ist eigentlich Parodontose?

Parodontose bezeichnet eine chronische oder akute Erkrankung des Zahnbettes mit allen beteiligten Geweben wie Zahnfleisch und Kieferknochen. Etabliert sich ein bakterieller Biofilm (=Zahnbelag) über einen längeren Zeitraum am Zahnfleischsaum, führt das zu einer Zahnfleischentzündung. Bestimmte Bakterien der Mundflora haben nun die Möglichkeit, über diese entzündliche „Eintrittspforte" in das Zahnbett einzudringen. Je nach Immunlage des Wirtes (=Patient) führt diese bakterielle Invasion zu einer leichten, moderaten oder starken Zerstörung des Kieferknochens mit der Folge des Zahnfleischrückgangs und einer erhöhten Beweglichkeit der betroffenen Zähne. Ohne adäquate Therapie ist Zahnverlust mittel- bis langfristig die Konsequenz.

Schadet Parodontose nur den Zähnen oder auch anderen Organen?

Wie wir bereits wissen stellt Parodontose eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zahnbettes dar. Das heißt, dass durch die krankheitserregenden Mikroorganismen bakterielle Giftstoffe und durch das menschliche Immunsystem Entzündungs-Mediatoren (=entzündungsfördernde Substanzen) produziert werden. Diese gelangen über den Blutkreislauf in den Organismus und dadurch zu den einzelnen Organen. Es ist wissenschaftlich belegt, dass sich die entzündlichen Reaktionen, die eine parodontale Erkrankung begleiten, negativ auf das Herz-Kreislaufsystem bzw. unsere Atmungsorgane auswirken. Bei einem parodontal geschädigten Patienten ist das Risiko, einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall zu erleiden, etwa 3 – 7 Mal so hoch wie bei einem Patienten mit gesundem Zahnbett. Die Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen wie Rauchen, Bewegungsmangel oder Stress verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Parodontose und Diabetes mellitus?

Ja, den gibt es. Es ist wissenschaftlich belegt, dass sowohl die Wahrscheinlichkeit, an einer Zahnbettentzündung zu erkranken, als auch der Schweregrad der Parodontose bei Diabetikern erhöht ist. Außerdem schreiten Zahnbetterkrankungen bei Diabetikern im Vergleich zu Nichtdiabetikern schneller voran. Dabei hängt das erhöhte Risiko für parodontale Erkrankungen vor allem von der korrekten Blutzuckereinstellung des Diabetikers ab.

Andererseits beeinträchtigt eine parodontale Erkrankung die physiologische Blutzuckereinstellung eines Diabetikers. Denn bereits beim normalen Kauakt gelangen Bakterien aus den Zahnfleischtaschen in den systemischen Blutkreislauf. Darauf reagiert unser Organismus mit der Bildung von Entzündungsstoffen, das heißt, dass eine Parodontose zu einer erhöhten Entzündungsbelastung eines Individuums beiträgt und die Blutzuckereinstellung bei Diabetikern verschlechtern kann. So ist zum Beispiel bekannt, dass Entzündungsmoleküle die Wirkung des Insulins verringern (=Insulinresistenz), so dass das Hormon an seinen Zielzellen in der Leber, dem Fettgewebe und der Muskulatur nicht mehr ausreichend wirkt. Darüber hinaus kann eine Parodontose das Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes erhöhen, insbesondere für Nierenschäden und arterielle Verschlusskrankheiten der Beine.

Durch eine adäquate Parodontosetherapie wird die Menge der Entzündungsstoffe im Organismus gesenkt, die Insulinresistenz verringert und damit eine Verbesserung des Blutzuckerspiegels erreicht. Denn ein gut eingestellter Blutzuckerspiegel eines Diabetikers ist das „A und O", um schwerwiegende diabetische Folgeerkrankungen der Nieren (-> Dialyse), der Augen (-> Erkrankung der Netzhaut mit Erblindungsgefahr) und des Nervensystems zu verhindern.

Aus diesen Ausführungen wird deutlich, welche Bedeutsamkeit der intensiven Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Internist bei der Behandlung von Diabetes mellitus zukommt.

Deshalb steht die adäquate Parodontosebehandlung im Fokus unserer zahnärztlichen Bemühungen, weil die Allgemeingesundheit unserer Patienten für uns von besonderem Interesse ist.

Wie hat man sich eine Parodontosebehandlung vorzustellen?

Die Behandlung beinhaltet 3 Therapiekomplexe, die konsequent durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen zur langfristigen Gesunderhaltung des Zahnbettes beitragen können:

  1. Parodontale Vorbehandlung
    Im Rahmen dieser Behandlung wird eine definitive Diagnose anhand von klinischen Befunden und Röntgenbildern gestellt. Außerdem werden harte und weiche Zahnbeläge oberhalb des Zahnfleischsaumes entfernt, um eine Entzündungsfreiheit des Zahnfleisches zu erreichen. So wird bei der eigentlichen Parodontosebehandlung eine unnötige Verschleppung von Keimen in die tiefen Bereiche des Zahnbettes vermieden.
  2. Systematische Parodontosebehandlung
    In 2 – 4 Behandlungssitzungen (abhängig von der Anzahl der zu behandelnden Zähne) werden nun unter Lokalanästhesie alle erkrankten Zahnfleischtaschen mit Ultraschallinstrumenten und Küretten (= Instrumente für die Wurzeloberflächenglättung) intensiv und schonend gereinigt. Ziel ist dabei die Zerstörung des Biofilms (=Plaque-Bakterien-Gemisch) auf der Wurzeloberfläche und die gezielte Entfernung von Granulationsgewebe (=entzündliche Gewebsreste) aus den Zahnfleischtaschen. Je nach Aggressivität der parodontalen Erkrankung kann adjuvant (=unterstützend) ein Antibiotikum für einige Tage sinnvoll sein, um eine bestmögliche Taschendesinfektion (=Bekterienreduktion) zu bewirken.
  3. Erhaltungstherapie
    Ca. 8 Wochen nach der systematischen Parodontose-Behandlung wird der Behandlungserfolg durch erneute Taschenmessung und Evaluation des Entzündungsgrades (=Blutung) der Taschen geprüft. Liegen beide Faktoren im physiologischen (=gesunden) Bereich ist die Therapie als erfolgreich einzustufen und es folgt nun die letzte Phase des Behandlungskomplexes. In der so genannten Erhaltungsphase werden Zähne und eventuelle Resttaschen im Sinne einer professionellen Zahnreinigung von eventuell neu entstandenem Biofilm befreit. Diese Behandlung wird zunächst in Intervallen von 3 Monaten durchgeführt. Es ist von essentieller Bedeutung sowohl für den langfristigen Zahnerhalt als auch für eine konstante Infektionskontrolle, dass eine regelmäßige und lebenslange Erhaltungstherapie gewährleistet ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich die Bakterien in den Zahnfleischtaschen wieder vermehren und ein Wiederaufflammen der Erkrankung mit fortschreitendem Gewebeabbau und nachfolgendem Zahnverlust bewirken.

Kann ich als Patient selbst etwas gegen diese Erkrankung tun?

Ja. Zum einen spielt eine intensive und regelmäßige Mundhygiene eine entscheidende Rolle für eine langfristige Biofilmkontrolle. Vor allem der Zahnzwischenraumpflege mit Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Zum anderen mindert Nikotinkonsum die Durchblutung des Zahnfleisches, wodurch die Abwehrleistung in den Taschen reduziert ist. Das erleichtert den Bakterien ein Vordringen in das parodontale Gewebe und führt somit zu einem schnelleren Voranschreiten der Erkrankung. Deshalb sollte in diesem Zusammenhang auf das Rauchen verzichtet werden.